Blackouts in Prüfungen

Du sitzt in der Prüfung. Dein Herz pocht. Deine Hände sind schweißnass. Verwirrte Gedanken drehen sich im Kreis. Du grübelst verzweifelt nach: „Eben wusste ich das noch”. Doch Denken wird immer schwerer und die Antwort fällt Dir einfach nicht ein...

Was ist ein Blackout?

Prüfungssituationen lösen Stress aus. Stress ist ein Warnsignal. Wird dieser als Bedrohung interpretiert, schützt sich unser Körper, indem er die sogenannte Fight-or-Flight-Reaktion in Gang setzt. Ein für Gefahren zuständiger Hirnbereich übernimmt die Kontrolle und weitere Mechanismen werden in Gang gesetzt: Der Herzschlag wird beschleunigt, die Muskelspannung erhöht, Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Analyse von Gefahren, höhere kognitive Funktionen (z. B. abstraktes Denken) werden unterdrückt und vieles mehr. Durch diese Reaktion sind wir optimal darauf vorbereitet, uns vor körperlichen Bedrohungen zu schützen – zu kämpfen oder zu flüchten.

Im Laufe der menschlichen Entwicklung hat sich dieser Mechanismus bewährt. Begegneten wir gefährlichen Tieren, mussten wir schnell handeln. Wer lange nachdachte, wurde gefressen. In Notsituationen kann die Fight- or-Flight Reaktion Leben retten. In Prüfungssituationen aber selbiges erschweren. Denn unser Körper unterscheidet kaum zwischen körperlichen und emotionalen Bedrohungen. Ist Stress groß genug, setzt der Schutzmechanismus ein, egal ob wir befürchten gefressen zu werden oder Prüfungsaufgaben bewältigen müssen.

Unser Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt. Das Denkvermögen wird zurückgefahren. Wir können kämpfen oder flüchten. Doch in Prüfungen hilft beides nicht. Wir verlieren die Kontrolle über dringend benötigte Fähigkeiten. Selbst einfache Aufgaben erscheinen unendlich schwer. Das stresst zusätzlich und hält die Fight-or-Flight-Reaktion in Gang. Eine blöde Situation, die wir als Blackout erleben.

Wodurch entsteht ein Blackout?

Blackouts entstehen durch Stress. Alles was Stress begünstigt, kann dazu beitragen. Im Kontext von Schule und Studium bergen besonders Prüfungsängste, unangenehme Gedanken und innere Konflikte großes Stresspotenzial.

Blackout durch Prüfungsangst

Prüfungsangst kann enormen Stress bedingen, ist weit verbreitet, und ein häufiger Grund für ein Blackout – besonders in Kombination mit hohen Erwartungen an sich selbst bzw. an die eigene Leistung in einer Prüfung. Daher ist diesem Thema ein eigener Abschnitt dieses Buches gewidmet.

Innere Konflikte

Prüfungen können innere Konflikte provozieren. Stell Dir beispielsweise vor, Du stehst vor einer Abschlussprüfung. Einerseits wünschst Du Dir Erfolg und gute Noten. Andererseits warten danach große Veränderungen: Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Unbekannte Wege und Herausforderungen warten. Freundschaften brechen auseinander. Du bist zunehmend auf Dich allein gestellt...

Dadurch kann ein Zwiespalt entstehen. Wir fühlen uns hin- und hergerissen. Einerseits ist es toll den Abschluss in der Tasche zu haben und wir sehnen uns danach, einen Schritt nach vorn zu gehen. Andererseits ist das Studienleben auch ganz schön. Wir fühlen uns in der Gegenwart sicher und möchten unser vertrautes Leben am liebsten festhalten. Ein Schritt nach vorn bedeutet neue und spannende Möglichkeiten, birgt aber auch Risiken.

Es zieht uns in entgegengesetzte Richtungen. Wir spielen innerlich Tauziehen. Wir kämpfen mit uns selbst. Werden solche Konflikte nicht gelöst, ist das anstrengend und schafft Stress, der zu einem Blackout führen kann.

Doch jede Prüfungssituation birgt Konfliktpotenzial. Dahinter steht oft ein Konflikt zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir über uns selbst glauben. Einerseits möchten wir uns als intelligent, souverän und leistungsfähig sehen. Andererseits glauben wir, nicht gut genug zu sein oder befürchten zu scheitern. Gelingt es, diesen Konflikt aufzulösen, verschwindet auch die Sorge vor einem Blackout.

Unangenehme Gedanken

Gedanken an unangenehme Erlebnisse, Erfahrungen oder Vorstellungen können in Prüfungssituationen zu einem Blackout führen. Denn Gedanken steuern Gefühle. Denken wir an unsere Liebsten, wird uns warm ums Herz. Schwelgen wir im letzten Urlaub, entspannen wir uns. Erinnern wir einen ungeklärten Streit, spüren wir Wut, Trauer oder andere damit verbundene Gefühle. Unangenehme Erinnerungen oder Vorstellungen sind üblicherweise mit Stress auslösenden Gefühlen verbunden. Rufen wir vergangene Blackouterfahrungen hervor oder stellen uns besonders eindrücklich vor zu scheitern, kann dies zu einem Blackout führen. Mehr dazu später...

Doch auch Gedanken, die nichts mit der Prüfungssituation zu tun haben, können zu einem Blackout führen. Ein persönliches Beispiel: Ich, 13 Jahre alt, saß in einer Klassenarbeit. Ich fühlte mich gut, dachte nach, blickte aus dem Fenster, und ein paar Jungs klopften daran – nichts Ungewöhnliches. Doch einer der Jungen erinnerte mich an jemanden, der mich Wochen zuvor bedroht hatte. Gedanken an die Bedrohung tauchten auf. Ich malte mir aus, was passieren würde, wenn das wirklich dieser Typ wäre. Hilflosigkeit. Angst. Nichts ging mehr. Blackout.

Egal ob wir uns Situationen vorstellen oder sie erinnern. Stress wird durch den Fokus unserer Wahrnehmung und durch unsere Gedanken erzeugt.

Wenn Gedanken Gefühle steuern

Gedanken steuern Gefühle. Doch Gedanken kommen und gehen. In einem Moment schwelgen wir in Urlaubserinnerungen, im nächsten reißt uns das Telefonklingeln zurück ins Hier und Jetzt. Wir versinken minutenlang in unserem Lernstoff und plötzlich fällt uns ein, was dringend erledigt werden müsste. Im Alltag springen wir von einem Gedanken zum anderen. Je nach Stimmung und Umgebung stehen unterschiedliche Themen und Gedanken im Vordergrund.

Wozu schreibe ich das?
  1. Wenn unsere Gedanken Gefühle steuern, dann können wir diese beeinflussen. Du kannst bewusst an etwas denken.
  2. Wenn Gedanken Gefühle steuern und wir gleichzeitig unsere Gedanken ständig wechseln, musst Du aktiv etwas tun, um ein Gefühl aufrechtzuerhalten. Du machst Dein Blackout selbst.

Das bedeutet nicht, dass Du bewusst und mit Absicht ein Blackout erzeugst. Die meisten gedanklichen Prozesse laufen unbewusst ab. Aber das bedeutet, dass Du Möglichkeiten hast, Dein eigenes Erleben, Deine Gedanken und Gefühle, zu steuern.

Ein Rezept für Prüfungsstress

Denkst Du an eine unangenehme Situation, löst das Stress aus. Verändern sich Deine Gedanken zu etwas Positivem, klingt dieser schnell ab. Um Stress aufrechtzuerhalten, müssen wir stressenden Gedanken und Vorstellungen kontinuierlich nachgehen. In Bezug auf Prüfungen ist das leicht: Wir verbinden damit Lernen unter Druck, anstrengende Vorbereitungsphasen, Versagensängste und Ähnliches. Doch für ein Blackout reicht das nicht. Viele Menschen erleben Prüfungssituationen als stressig, aber nicht alle erleben ein Blackout.

Worin liegt der Unterschied? Suchen Menschen wegen Blackouts meine Unterstützung, stelle ich fast immer eine Frage: „Wie machst Du das?” Die Frage mag erstmal verwirren, doch beobachte Dich selbst: Du kommunizierst in Gedanken ständig mit Dir. Du stellst Dir Bilder vor, sprichst mit Dir selbst, hörst andere Menschen Dinge zu Dir sagen, erspürst Gefühle, riechst oder schmeckst etwas. Du denkst mit Hilfe Deiner Sinne.

Meine Erfahrung ist, dass Menschen die Blackouts erleben (oder große Sorge davor haben), sich selbst eine Abfolge von Gedanken schaffen, die Stress und unangenehme Gefühle erzeugt. Meistens wird der schlimmstmögliche Prüfungsverlauf gewählt: Sie stellen sich vor, wie sie mit schweißnassen Händen vor dem Prüfungsraum warten, ihnen das Herz bis zum Hals pocht, wie sie stotternd vor den Prüfern stehen, schon die erste Frage unbeantwortbar scheint, den bohrenden Blick der Prüfer, wütende Selbstgespräche in Gedanken „Du weißt das doch, Du Idiot!”, die vernichtende Note und das schamvolle Beichten des eigenen Versagens vor Eltern und Freunden... Das macht verständlicherweise Angst und fühlt sich furchtbar an.

Werden solche Gedankengänge ständig wiederholt, stärkt sich die Verbindung zwischen der Prüfung und den durch die Befürchtungen ausgelösten Gefühlen. Wir üben systematisch, uns schlecht zu fühlen, wenn wir an die Prüfung denken. Die eingeübten Gefühle steigern den Prüfungsstress und führen leicht zum Blackout. Wir basteln uns eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Sind wir in einer Blackoutsituation, kann Einfaches plötzlich unendlich schwierig werden. Wir verlieren die Kontrolle über einen Teil unserer Fähigkeiten. Wir werden kurzzeitig messbar dümmer. Dieser Kontrollverlust verunsichert zusätzlich und kann weitere Stresskreisläufe in Gang setzen. Oftmals führen diese dazu, dass wir mehr mit unserer momentanen Unfähigkeit beschäftigt sind als mit den Prüfungsaufgaben.

Erzeugen wir (bewusst oder unbewusst) Stresskreisläufe, die zu einem Blackout führen, sollten wir etwas daran ändern. Doch wie kann das gelingen?

Gelungene Prüfungsvorbereitung: Lernen und Strategien

In der Vorbereitung auf Prüfungen gibt es ein zentrales Thema: Sicherheit.

Unsicherheit wirkt wie ein Nährboden für Blackouts. Je unsicherer wir sind, desto wahrscheinlicher erleben wir eines. Und Unsicherheiten gibt es viele: „Wie wird die Prüfung verlaufen?”, „Welche Fragen werden gestellt?”, „Werde ich gut genug abschneiden?”, „Kann ich meinen Erwartungen gerecht werden?”, „Was ist, wenn die Prüfung schlecht läuft?”, „Werde ich scheitern oder Erfolg erleben?”, „Werde ich mich danach über mich selbst ärgern?”

Wir wissen es nicht. Sicher können wir erst hinterher sein. Vorher wissen wir nie, wie eine Situation ausgeht. Wir können die Zukunft nicht voraussagen. In diesem Sinne gibt es keine Sicherheit. Dennoch können wir unser Gefühl von Sicherheit stärken – und darauf kommt es an: Je sicherer wir uns fühlen, desto souveräner gehen wir mit tatsächlichen Unsicherheiten und Schwierigkeiten um.

Dabei hilft es:
  • die Unterstützung von nahestehenden Menschen sicherzustellen (unabhängig vom Ausgang der Prüfung),
  • Erfolgserlebnisse zu schaffen,
  • alternative Wege zu finden, Deine Ziele und Bedürfnisse zu erreichen,
  • hilfreiche Fähigkeiten (z. B. Konzentration) zu trainieren,
  • vertraute und in der Vergangenheit erfolgreiche Lerntechniken zu nutzen,
  • ausreichend zu lernen, so dass Du den Lernstoff sicher beherrschst,
  • die Wahrnehmung innerer Prozesse zu stärken – je früher Du bemerkst, dass ein Stresskreislauf beginnt, desto mehr Eingriffsmöglichkeiten hast Du,
  • bei Bedarf professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen,
  • die Prüfung in langfristiger Perspektive zu betrachten – wen interessiert es in 10 Jahren, wie diese Prüfung ausgegangen ist?,
  • stressende Gedanken loszulassen.

Kurz: Um vor einer Prüfung ein starkes Gefühl von Sicherheit zu gewinnen, musst Du Dich vorbereiten – sowohl inhaltlich als auch gedanklich.

Gelungene Prüfungsvorbereitung: Inhalte lernen

Wie Du für eine Prüfung lernst, weißt Du wahrscheinlich selbst am Besten. Denke einfach an vergangene Situationen, in denen das Lernen richtig gut funktioniert hat. Wie hast Du da gelernt? Zu welchen Zeiten? Mit wem? Wie viel? Welche Lerntechniken waren besonders wirkungsvoll?

Greife auf positive Lernerfahrungen zurück. Gestalte aus diesen Informationen einen Plan, wie Du optimalerweise lernen könntest, und halte Dich daran!

Gelungene Prüfungsvorbereitung: Prüfung üben

Während wir es gewohnt sind, für Prüfungen zu lernen, ist uns eine gezielte gedankliche Vorbereitung weniger vertraut. Oft nehmen wir unangenehme Vorstellungen einfach hin, anstatt sie systematisch nach unseren Wünschen zu verändern. Wir verfangen uns in negativen Kreisläufen, anstatt positive aufzubauen. Doch genau wie Athleten den Wettkampf in Gedanken üben, wie Abenteurer ihre Expeditionen zigfach im Kopf durchspielen, so hilft es, sich vor Herausforderungen in der Schule oder im Studium mental vorzubereiten. Dafür möchte ich Dir eine Strategie anbieten:

  1. Stelle Dir einen optimalen Prüfungsverlauf vor! Und mit optimal meine ich wirklich optimal. Wie wäre es, wenn diese Prüfung perfekt verläuft? Was würdest Du sehen, hören, fühlen, zu Dir selbst sagen? Male Dir diese Situation detailliert aus: Wie Du voller Selbstvertrauen in die Prüfung gehst, wie Du mit Leichtigkeit alle Fragen beantwortest, wie Deine Prüfer ehrfürchtig begeistert zu Dir aufsehen... Wie gut würdest Du Dich fühlen? Und ja, das ist unrealistisch. Aber es hilft, positive Gefühle im Bezug auf die Prüfung zu entwickeln. Wiederhole diese Vorstellung in Gedanken so oft, bis Du Dich automatisch gut fühlst, wenn Du an die Prüfung denkst.
  2. Übe Schwierigkeiten zu überwinden! Hast Du Deine Optimalvorstellung gut trainiert, dann baue schrittweise Schwierigkeiten ein: Wie wäre es, wenn Dir eine Antwort nicht sofort einfällt? Wie könntest Du souverän damit umgehen? Entwickle Lösungsstrategien und übe sie in Gedanken ein. Achte darauf, dass Du Dich dabei weiterhin gut fühlst. Fang dafür mit ganz kleinen Problemen an. Finde gute Lösungen und taste Dich langsam an größere Probleme heran. Solltest Du Dich in einer Problemvorstellung verfangen oder Dich schlecht fühlen, gehe wieder zu Deiner Optimalvorstellung zurück und genieße das angenehme Gefühl eine Weile, bevor Du Dich der Problemvorstellung wieder annäherst. So kannst Du schrittweise üben, Schwierigkeiten positiv gestimmt zu begegnen und Lösungsstrategien für mögliche Probleme zu entwickeln.

Trainierst Du vor einer Prüfung, Dich gut zu fühlen, Problemen souverän zu begegnen, Lösungen zu finden und anzuwenden, wird es leichter, genau das in der tatsächlichen Prüfungssituation anzuwenden. Tauchen Probleme auf, hast Du sie schon mehrfach in Gedanken gelöst. Du brauchst Dich bloß an Deine Lösungsstrategie zu erinnern und das zu wiederholen, was Du schon zigfach vorher getan hast. Das Entwickeln und Üben eines solchen Notfallplanes stärkt Dein Selbstvertrauen, das Gefühl von Sicherheit und Deine Problemlösekompetenz.

Bereitest Du Dich mental und inhaltlich auf Prüfungen vor, schaffst Du Dir beste Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Wichtig ist die Kombination aus beidem. Weder Lernen, noch das Gefühl von Sicherheit genügen allein. Sie müssen im Zusammenspiel wirken. All Dein Wissen hilft wenig, wenn Du ein Blackout erlebst und es in der Prüfung nicht zeigen kannst. Souveränes und sicheres Auftreten bringt nichts, wenn Du keine Ahnung hast, wovon Du sprichst oder schreibst.

Kennst Du wichtige Inhalte und fühlst Dich sicher darin, diese zu präsentieren, hast Du ein Fundament, auf das Du in jeder Prüfung (auf)bauen kannst.

Doch selbst die beste Vorbereitung gibt Dir keine Garantie, dass alles nach Plan verläuft. Unerwartete Probleme können auftauchen. Dinge können geschehen, die Dich aus der Bahn werfen. Was kannst Du tun, wenn Du ein Blackout erlebst?

Hilfe! Blackout! Was kann ich tun?

  1. Schaffe Distanz! Du musst auf andere Gedanken kommen. Lege Deinen Stift zur Seite. Schaue aus dem Fenster. Gehe wenn möglich auf die Toilette. Trinke einen Schluck Wasser (geht auch in mündlicher Prüfung oder während eines Vortrages). Mache irgendetwas, um aus dieser Situation herauszukommen und Deine eigenen Gedanken zu unterbrechen. Nutze diese Zeit, um Dich wieder zu fangen. Dabei helfen die Schritte zwei und drei. Danach kannst Du Dich neu auf Deine Prüfungsaufgaben konzentrieren.
  2. Richte Deinen Fokus auf etwas Kontrollierbares! Kontrollverlust verunsichert. Verlierst Du die Kontrolle, musst Du sie wieder erlangen. Findest Du in einer Stresssituation etwas, das Du kontrollieren kannst, kann das enorm beruhigen, Sicherheit vermitteln, Distanz zu stressenden Gedanken aufbauen und Dir helfen, aus Deinem Blackout herauszukommen. Selbst wenn Du stotterst, schwitzt und Deine Hände unkontrolliert zittern – etwas kannst Du immer kontrollieren: Deinen Atem. Konzentriere Dich darauf, gleichmäßig zu atmen. Zusätzlich ruhig zu atmen, wäre noch besser, aber gleichmäßig ist ein guter Anfang 16 und oftmals leichter. Gelingt dies, erweitere Deine Selbstkontrolle auf andere Bereiche: Richte Dich gerade auf und lasse Deine Schultern entspannt nach unten gleiten, balle Deine Faust und löse sie wieder, presse Deine Zunge gegen den Gaumen und lockere sie wieder, und so weiter. Solche kleinen Veränderungen sind vergleichsweise leicht und unauffällig umsetzbar. Gleichzeitig helfen sie, Dir selbst zu demonstrieren, dass Du Dich im Griff haben kannst. Gewinne die Kontrolle zurück.
  3. Fühl Dich gut! Positive Gefühle wirken Stress entgegen. Doch gut fühlen in Prüfungssituationen ist leichter gesagt als getan, oder? Jein! Wenn Du einen Trick nutzt, kannst Du es Dir leicht machen... Der Trick liegt in einer automatisierten körperlichen Reaktion: Lächeln wir, produziert unser Körper Glückshormone. Sehen wir lächelnde Menschen, verstärkt sich dieser Effekt. Stellst Du Dich beispielsweise vor einen Spiegel und lächelst Dich selbst an, wirst Du Dich nach spätestens zwei Minuten deutlich besser fühlen – ob Du willst oder nicht und egal wie blöd Du Dir dabei vorkommst! Diesen Effekt kannst Du verstärken, indem Du an lustige Ereignisse denkst, an nahestehende Menschen, die Du liebst, Dir angenehme Urlaubserinnerungen vergegenwärtigst, und so weiter. Je positiver, lustiger, angenehmer und entspannender Deine Gedanken, desto wirkungsvoller sind sie.

Blackout in schriftlicher Prüfung

Erlebst Du in schriftlichen Prüfungen ein Blackout, kannst Du im Optimalfall eine Toilettenpause machen. Du schaffst Distanz, indem Du den Prüfungsraum verlässt, kannst Dich vor dem Spiegel anlächeln und währenddessen die Kontrolle wieder erlangen.

Danach kannst Du Dich Deiner Aufgabe von Neuem widmen. Konzentriere Dich zuerst auf die einfachsten Dinge (in Prüfungen meistens eine gute Idee). Schaffe Dir kleine Erfolgserlebnisse, indem Du diese erledigst. Wende Dich danach dem nächstleichtesten zu und erledige Deine Aufgaben Schritt für Schritt. Solltest Du dabei zu nervös werden, gönne Dir eine kurze Pause. Atme gleichmäßig. Denke daran, wie es war, Dich im Spiegel anzulächeln. Vergegenwärtige Dir eine positive Erinnerung und lächle. Mit etwas mehr Ruhe und guten Gefühlen im Hintergrund kannst Du klarer denken und schreiben.

Blackout in mündlicher Prüfung

In mündlichen Prüfungen, Vorträgen, Präsentationen oder Referaten sind die Möglichkeiten deutlich begrenzter. Dennoch kannst Du die gleichen Prinzipien nutzen: Du kannst Abstand gewinnen, kontrolliert atmen, lächeln und positiv denken.

Abstand von der Prüfungssituation zu gewinnen, ist nicht in dem Maße möglich, wie in einer schriftlichen Prüfung. Eine Toilettenpause, minutenlang aus dem Fenster starren oder die Augen schließen, um auf andere Gedanken zu kommen, wird keinen Zuhörer begeistern. Also musst Du kleine Gelegenheiten schaffen, um Zeit zu gewinnen: Trinke einen Schluck Wasser. Bitte Deine Prüfer die gestellte Frage zu wiederholen. Wiederhole die Frage in Deinen eigenen Worten. Sprich zuerst über ein Thema zu dem Dir etwas einfällt, bevor Du Dich dem eigentlichen Thema widmest. Ziehe einen anderen Teil der Präsentation vor, über den es Dir leicht(er) fällt zu sprechen... Das alles ist nicht optimal, aber als Notlösung besser, als vor sich hin zu stottern oder gar nichts sagen zu können.

Die so gewonnene Zeit kannst Du nutzen, um Dich auf Deinen Atem zu konzentrieren, Positives zu denken und so Deinen Stresspegel zu senken, um aus der Blackoutsituation herauszukommen. Um das in kurzer Zeit zu schaffen, hilft eine gründliche Prüfungsvorbereitung, in der Du mögliche Lösungsstrategien vorher entwickelst und einübst. Je besser Du Dich auf Deine Prüfung vorbereitest, desto leichter wird es in der Prüfungssituation, mit Schwierigkeiten umzugehen.

Wenn das nicht hilft...

Sollten all diese Strategien keinen Erfolg haben, empfehle ich Dir offen mit Deiner Situation umzugehen. Sagst Du ehrlich, dass Du ein Blackout erlebst, wissen Deine Zuhörer was in Dir vorgeht und werden wahrscheinlich verständnisvoll reagieren. Prüfer können schwierige Fragen zurückstellen, nette Worte an Dich richten oder Schlagworte liefern, die Dir helfen, Deinen Faden wiederzufinden.

Du hast keine Garantie, dass die anderen positiv auf Deine Situation reagieren und bist ihnen ein Stück weit ausgeliefert. Doch meiner Erfahrung nach, sind die meisten Menschen an einem guten Vortrag oder einer gelungenen mündlichen Prüfungen interessiert.

Egal, wie gut Du Dich auf eine Prüfung vorbereitest und wie sicher Du Dich fühlst: Die einzige wirkliche Sicherheit ist die, dass Du vorher nicht weißt, was geschehen wird. Alles was Du tun kannst, ist Dich so gut Du kannst auf Deine Prüfung vorzubereiten, um auch mit Unerwartetem kreativ und lösungsorientiert umgehen zu können.

Zusammenfassung

Blackouts entstehen durch eine körperliche Schutzreaktion. Wünschen wir uns in einer Situation erfolgreich zu sein, verspüren aber Unsicherheit, ob dies gelingt, kann das Stress auslösen. Ist der Stress so groß, dass unser Körper ihn als Gefahr interpretiert, löst er die Fight-or-Flight-Reaktion aus. Diese bereitet uns optimal auf das Kämpfen oder Flüchten vor, doch erschwert das Denken, da wichtige kognitive Funktionen ausgeschaltet werden. Das Ergebnis ist ein Blackout.

Um kein Blackout zu erleben, hilft es, in der Vorbereitung auf eine Prüfung das Gefühl von Sicherheit zu stärken. Sollte es dennoch zu einer Blackoutsituation kommen, kannst Du Distanz schaffen, Deinen Fokus auf etwas Kontrollierbares richten und positive Gefühle erzeugen.


Weiterlesen: Keine Lust zu lernen

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