Keine Zeit zu Lernen

Du hast keine Zeit zum Lernen? Mal ehrlich, Du hast 24 Stunden am Tag zur Verfügung. 24 Stunden, die Du für Dich und das, was Dir wichtig ist, nutzen kannst. Ja, Du hast Verpflichtungen. Ja, Du hast Gewohnheiten. Ja, Du hast Dinge, von denen Du glaubst, dass Du sie erledigen musst. Und doch ist es Deine Entscheidung. Jeder Tag hat 24 Stunden. Wie nutzt Du sie?

Vergegenwärtige Dir, wofür Du Deine Zeit einsetzt und Du wirst staunen. Du wirst Dich wundern, wieviel Zeit Du für Dinge aufwendest, die Dir nicht wichtig sind – ohne darüber nachzudenken. Die unbequeme Wahrheit ist oft, dass wir eigentlich genügend Zeit haben. Wir verbringen sie nur anders, als wir wollen und glauben.

Die eigene Zeitnutzung zu überprüfen, kann unangenehm sein: Es bringt uns in Kontakt mit Bequemlichkeiten, mit Glaubensvorstellungen, mit Versagensängsten, mit Wünschen und Zielen, die wir nicht wagen, anzugehen. Doch vernachlässigen wir diese, sind die Folgen noch unangenehmer: Wir verfolgen halbherzige Ziele. Wir sabotieren uns selbst. Wir treffen Entscheidungen, verbringen aber mehr Zeit damit, zu zweifeln und uns selbst zu überreden anstatt zu handeln. Wir entscheiden uns vielleicht, zu lernen, doch diskutieren danach minutenlang mit uns selbst oder starren an die Decke, während wir uns einreden, endlich anfangen zu müssen. Das kostet Zeit. Das kostet Energie. Das frustriert.

Sei ehrlich zu Dir selbst und nutze Deine Energie für Dinge, die Dir wichtig sind! Rede Dir nicht ein, Du hättest keine Zeit dafür.

Zeit sinnvoll nutzen

Dieses Kapitel soll Dir helfen, Deine Zeit bewusster für Wichtiges einzusetzen und Dich gut zu fühlen. Du findest Anregungen, Deine Zeitnutzung zu hinterfragen, Kriterien für einen zieldienlichen Umgang zu entwickeln und Gewohnheiten zu verändern. Darüber hinaus biete ich Ideen für einen hilfreichen Umgang mit Schwierigkeiten an. Damit schaffst Du eine Grundlage, um erfolgreicher zu lernen.

Dies ist kein Kapitel zum Thema Zeitmanagement. Es beschäftigt sich weder mit der Organisation von Aufgaben noch mit Techniken, um Deine Arbeitsleistung zu erhöhen. Glaubst Du, Zeit zu verschwenden, kann es sich dennoch lohnen, einen Blick in dieses Kapitel zu werfen. Denn es kann enorm frustrieren, schnell, gut organisiert und effizient Ziele zu erreichen, die Du gar nicht erreichen willst!

Um genauer zu ermitteln, wie Du Deine Zeitnutzung zu Deiner Zufriedenheit verändern kannst, benötigst Du zwei Informationen:
  1. Wie nutzt Du Deine Zeit?
  2. Wie würdest Du sie gerne nutzen?

Wie nutzt Du Deine Zeit?

Beobachte Dich selbst und notiere eine Woche lang die Art und Dauer aller Tätigkeiten. Du kannst Dein Smartphone nutzen, einen Computer oder Stift und Papier, um zu erfassen, womit Du Dich wie lange beschäftigst.

Dabei musst Du nicht jeden Toilettengang dokumentieren. Um den Überblick zu wahren, würde ich Dir empfehlen, alle Tätigkeiten, die eine Dauer von fünf Minuten übersteigen, zu notieren. Nach einer Woche wirst Du eine genaue Dokumentation Deiner Zeitnutzung haben. Dazu ein paar Tipps und Erfahrungswerte:

Notiere die Tätigkeiten und die investierte Zeit am besten sofort! Im Nachhinein kannst Du nur schätzen, was zu Ungenauigkeiten führt. Erfahrungsgemäß können selbst Schätzungen mit Hilfe von Kalendern deutlich von der Realität abweichen.

Dokumentiere Deine Zeitnutzung, selbst wenn Du sie kennst! Unsere Tage sind gefüllt mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Handlungen, die wenig Aufmerksamkeit benötigen, werden leicht in ihrem Zeitbedarf unterschätzt. Gleiches gilt für Gewohnheiten, Wege und regelmäßig wiederkehrende Aufgaben. Detaillierte Dokumentationen decken solche Zeitfresser auf.

Eine ehrliche Dokumentation Deiner Zeitnutzung kann sich unangenehm anfühlen! Möglicherweise führst Du Dir damit Deine Unzufriedenheit vor Augen. Das kann Frust und negative Gefühle auslösen. Sei dennoch ehrlich zu Dir. Schreibe auf, wie Du Deine Zeit nutzt. Nimm Unzufriedenheiten wahr und nutze sie, um zusätzliche Motivation für Veränderungen zu gewinnen. Mehr dazu findest Du am Ende dieses Kapitels.

Wie möchtest Du Zeit nutzen?

Ist die Realität Deiner Zeitnutzung erfasst, male Dir aus, wie Du Deine Zeit am liebsten nutzen würdest: Was würdest Du tun, wenn Du frei entscheiden könntest? Wie wäre es optimal? Womit würdest Du Deine Zeit verbringen und wieviel? Wofür würdest Du keine Zeit verschwenden? Wie sähe ein perfekter Tag, eine optimale Woche aus? Gestalte Deine gewünschte Zeitnutzung ähnlich detailliert wie Deine tatsächliche und schreibe sie auf. Bei Bedarf kannst Du nach und nach Ideen ergänzen, indem Du Dich täglich fragst: Womit möchte ich heute Zeit verbringen?

Ist sowohl Deine Wunschwoche als auch Deine tatsächliche Woche dokumentiert, vergleiche beide und überlege zu jeder Tätigkeit: „Wofür habe ich das getan?” bzw. „Wofür würde ich das gerne tun?”. Ordne jeder (gewünschten oder tatsächlichen) Handlung Gründe zu. So gewinnst Du schnell Einblicke in dahinter stehende Motivationen.

Veränderungen

Der Vergleich von Wunsch und Realität bildet eine gute Grundlage, um Entscheidungen über zukünftige Veränderungen zu treffen. Durch eine Gegenüberstellung ist leicht erkennbar, wofür Du in Zukunft mehr oder weniger Zeit nutzen möchtest. Mit dieser Erkenntnis kannst Du klare Entscheidungen treffen, was Dir wieviel Zeit wert ist. Du kannst neue Prioritäten setzen und neue Gewohnheiten schaffen. Du kannst mehr Zeit für Wichtiges, Erfüllendes und Bereicherndes gewinnen. Klingt gut, oder?

Doch das war der leichtere Teil. Die Herausforderung ist die Umsetzung. Manches lässt sich schnell verändern. Anderes benötigt viel Energie und Durchhaltevermögen. Während der Fahrt zur Uni ab und zu ein Fachbuch zu lesen, anstatt Musik zu hören, ist leicht umgesetzt. Regelmäßig mehr zu lesen, anstatt den Fernseher einzuschalten, kann deutlich schwieriger sein. Ein paar Tage früh aufzustehen, benötigt weniger Entschlossenheit, als täglich den Wecker eine Stunde früher zu stellen.

Dauerhafte Veränderungen sind schwer: Vor Jahren ging im Winter mein Warmwasserboiler kaputt. Jahreszeitlich bedingt war das Wasser kalt und das morgendliche Duschen ziemlich unangenehm. Doch nach der Dusche fühlte ich mich richtig gut: wach, fit und frisch – so toll, dass ich mir dieses Gefühl jeden Morgen wünschte! Nach der Reparatur, blieb dieser Wunsch bestehen. Doch warm zu duschen war einfach bequemer. An diese Zeit erinnerte ich mich erst wieder auf meiner Norwegenreise. Das Baden in eiskalten Seen und Fjorden kostete zwar Überwindung, aber das Gefühl danach war großartig. Wieder zu Hause vermisste ich dieses so sehr, dass ich beschloss morgens kalt zu duschen. In den Tagen und Wochen darauf zweifelte ich täglich an dieser Entscheidung, diskutierte minutenlang mit mir selbst, doch duschte meistens kalt. Mit der Zeit wurde es immer leichter und der morgendliche Wunsch nach warmem Wasser kleiner. Nach und nach gewöhnte ich mich daran. Heute erlebe ich den ersten Kontakt mit kaltem Wasser nicht immer als angenehm, aber ich freue mich oft schon während des Duschens über die erfrischende Wirkung. Neben der morgendlichen Erfrischung bekam ich weichere Haut und fror weniger.

Kleine Veränderungen können große Auswirkungen mit sich bringen. Doch viele Handlungen haben wir jahrelang trainiert. Sie sind bequem, vermitteln Sicherheit und können nur mit Mühe und Motivation verändert werden. Selbst wenn wir von dem Sinn einer Veränderung überzeugt sind: Die Umsetzung bleibt aufwändig und erfordert Disziplin.

Besonders hartnäckig sind Handlungen, die zu Gewohnheiten geworden sind. In den folgenden Abschnitten findest Du Gedanken und Erfahrungswerte, die helfen können, diese zu verändern.

Gewohnheiten verändern

Handlungen, für die wir regelmäßig Zeit aufwenden, werden schnell zur Gewohnheit. Gewohnheiten helfen uns, Zeit und Energie zu sparen. Wir gehen ihnen fast automatisch nach, ohne viele Gedanken daran zu verschwenden. Wir überlegen nicht lang, wie wir unsere Schuhe zubinden oder Zähne putzen. Wir tun es einfach.

Unerwünschte Gewohnheiten identifizieren

So praktisch diese Automatisierung auch ist, sie erschwert Veränderungen. Denn bevor wir Gewohnheiten verändern können, müssen wir uns diese zuerst bewusst machen. Nur wenn wir unsere Handlungen genau beobachten und Unerwünschtes erkennen, können wir Veränderungen gezielt angehen. Ein Vergleich Deiner gewünschten und tatsächlichen Zeitnutzung kann helfen, hinderliche Gewohnheiten aufzudecken. Darüber hinaus ermöglicht er Dir, Handlungsmuster systematisch zu hinterfragen: „Wozu mache ich das auf diese Art und Weise?”, „Geht das auch einfacher oder schneller?”, „Will ich das in Zukunft beibehalten?”.

Identifiziere zuerst regelmäßige Handlungen, die Du verändern möchtest. Finde dann Alternativen dafür.

Was ist die Alternative?

Es ist leichter, eine Handlung zu ersetzen, als sie zu unterdrücken. Identifizierst Du funktionalere Handlungsmöglichkeiten, erleichterst Du das Vermeiden unerwünschter Gewohnheiten.

Stell Dir vor, Du schaust jeden Abend fern und möchtest das verändern. Woran denkst Du, wenn Du Dir Dein Vorhaben vergegenwärtigst? Daran nicht fernzusehen, oder? Das Schwierige dabei ist, dass wir nicht in der Lage sind, uns etwas absichtlich nicht vorzustellen. Um zu erfassen, woran wir nicht denken möchten, müssen wir erstmal daran denken. Versuche jetzt ganz bewusst nicht an einen rosa Elefanten zu denken! Und? Siehst Du ihn schon vor Dir?

Gleiches geschieht, wenn wir Handlungen vermeiden wollen. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, was wir nicht wollen. Dadurch sind wir ständig damit beschäftigt, an die Dinge zu denken, die wir vermeiden möchten. Das erschwert Veränderung.

Wissen wir dagegen, wodurch wir alte Gewohnheiten ersetzen wollen, erleichtern wir unser Leben! Wir können an Gewünschtes denken, anstatt immer wieder Unerwünschtes zu vergegenwärtigen. Stell Dir daher selbst die Frage: Wofür möchtest Du die frei gewordene Zeit nutzen? Willst Du lieber Sport treiben, Dich mit Freuden treffen, lernen oder Zeit für Dich genießen? Je konkreter und je attraktiver Deine Alternative ist, desto motivierter bist Du, Neues umzusetzen. Gleichzeitig wirst Du weniger daran denken, wie bequem es wäre, vor dem Fernseher zu sitzen.

Der alleinige Wunsch, etwas anders machen zu wollen, reicht nicht aus. Fokussiere Dich auf das, was Du wirklich willst und Veränderungen gelingen leichter!

Welche Funktion hat Deine Gewohnheit?

Gewohnheiten entwickeln sich aus guten Gründen. Sie erfüllen Funktionen in unserem Leben: Sie sparen Zeit und Energie, erleichtern den Alltag und bringen uns Zielen näher. Hinter diesen Funktionen stehen immer Wünsche und Bedürfnisse: Sparen wir Zeit, können wir mehr davon für Wichtiges einsetzen. Erreichen wir Ziele, fühlen wir uns fähig und zufrieden. Gewohnheiten können Sicherheit vermitteln, Selbstwirksamkeitserfahrungen bieten, Grundbedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit und Nährstoffversorgung befriedigen.

Verändern wir Gewohnheiten, entstehen neue Wege, um Bedürfnisse zu erfüllen. Unter Umständen sind diese weniger effektiv. Das kann zu Problemen führen. Bedürfniserfüllung ist ein starker Antrieb und unerfüllte Bedürfnisse lassen sich nur kurzfristig zurückstellen: Bist Du krank, ist es kein Problem, Dein Bedürfnis nach Nahrung zurückzustellen und ein oder zwei Tage kaum zu essen. Längerfristig wird das schwierig. Erlebst Du Prüfungsstress, kannst Du Dich tage- oder wochenlang alleine auf Dein Lernen fokussieren, doch nach und nach wird der Wunsch nach Freizeit, Entspannung und angenehmer Gesellschaft immer größer.

Unerfüllte Bedürfnisse melden sich irgendwann zu Wort. Finden wir bei Gewohnheitsänderungen keine neuen Wege, die Bedürfnisse ehemaliger Gewohnheiten zu erfüllen, fallen wir leicht in alte Muster zurück. Langfristige Veränderungen gelingen nur, wenn alle wichtigen Bedürfnisse erfüllt sind. Optimale Gewohnheiten helfen uns dabei.

Neue Gewohnheiten trainieren

Gewohnheiten entstehen durch regelmäßige Wiederholung. Möchtest Du gezielt neue Gewohnheiten schaffen, musst Du sie trainieren. Je häufiger Du Handlungen wiederholst, desto leichter und selbstverständlicher werden sie. Irgendwann erledigst Du sie (fast) automatisch. Dann sind sie zu einer Gewohnheit geworden. Am Anfang stehen allerdings Anstrengung und Aufwand:

Erinnerst Du Dich daran, wie Du Autofahren gelernt hast? Gleichzeitig schalten, kuppeln, lenken und auf den Verkehr zu achten war ganz schön schwierig! Und heute? Nach unzähligen Wiederholungen denken wir keine Sekunde darüber nach, ob wir gerade den Schleifpunkt treffen oder in welchen Spiegel wir schauen sollten. Wir fahren einfach. Gleichzeitig unterhalten wir uns, folgen den Anweisungen unserer Navigationsgeräte, suchen Parkplätze – völlig mühelos.

Neue Gewohnheiten folgen einem ähnlichen Muster: Während der Angewöhnungsphase sind sie aufwändig, anstrengend, zeit- und energieraubend. Doch je mehr wir sie üben, desto leichter gehen sie von der Hand. Sie sparen langfristig Zeit und Energie, kosten zu Beginn aber selbiges.

Diesen Prozess kannst Du erleichtern. Dazu ein paar Ideen und Erfahrungswerte:

Suche Menschen, die Dich unterstützen! Andere Personen können Dich motivieren, Dir helfen und Mut zusprechen. Vielleicht findest Du auch Gleichgesinnte mit ähnlichen Zielen. In der Gruppe geht vieles leichter.

Halte Dein Ziel vor Augen! Dein Ziel ist erstrebenswert, angenehm, positiv. Der Weg dorthin kann schwer, anstrengend und voller Hindernisse sein. Je klarer Du Dein Ziel kennst und je positiver die Aussicht ist, dieses zu erreichen, desto größer wird die Motivation sein, den Weg dorthin zu gehen. Vergegenwärtigst Du Dir, wie schön es wird, wenn Du Dein Ziel erreichst, kannst Du Kraft und Zuversicht gewinnen.

Sei nett zu Dir! In dem Abschnitt Umgang mit Frust & Fehlern gehe ich ausführlicher darauf ein.

Optimiere Deine Gewohnheitwährend des Angewöhnens! Wahrscheinlich hast Du konkrete Vorstellungen davon, was Du verändern möchtest. Ob diese Vorstellungen realistisch und ein guter Weg sind, das Gewünschte zu erreichen, wirst Du allerdings erst herausfinden, indem Du es ausprobierst. Achtest Du schon in der Angewöhnungsphase darauf, was gut funktioniert und was nicht, kannst Du gezielt Verbesserungen vornehmen. Mache mehr von dem, was funktioniert und weniger von dem, was keine gewünschten Ergebnisse bringt!

Ändere den Kontext! Wenn Du zu Hause nicht gut lernst, wechsel den Ort. Wenn Dir etwas alleine nicht gelingt, versuche es mit anderen. Bist Du abends unkonzentriert, lerne früher. Neue Situationen verändern Perspektiven, Ideen und Gedanken. Nutze dies!

Sorge für Verbindlichkeit! Versprich Dir selbst, gewünschte Veränderungen umzusetzen. Halte es schriftlich fest und erzähle anderen Menschen davon. Wir alle sind gerne erfolgreich. Das Aufschreiben und Veröffentlichen von Geplantem erhöht die Hürde, einen Rückzieher zu machen und steigert Deine Erfolgsaussichten.

Stell Dir vor, welcher Mensch Du mit der neuen Gewohnheit sein wirst! Fühlst Du Dich im Zwiespalt zwischen alten und neuen Gewohnheiten gefangen, überlege, wie Dein gewünschtes Ich sich verhalten würde und handle genau so.

Glaub an Dich und Deine Fähigkeiten! Es gibt viele Gründe, warum Du erfolgreich sein wirst. Konzentriere Dich auf diese, glaub an Dich selbst und arbeite an Deinem Erfolg!

Willst Du Gewohnheiten verändern, finde alternative Handlungen. Trainiere diese so oft Du kannst, um sie Dir anzugewöhnen. Dafür kannst Du Dir gute Rahmenbedingungen schaffen, Dein Verhalten systematisch optimieren und das positive Erleben der gewünschten Gewohnheit sicherstellen.

Prioritäten setzen

Wofür möchtest Du Deine Zeit nutzen? Um Spaß zu haben? Um zu entspannen? Willst Du vorwärts kommen, Beziehungen genießen, Sinnvolles tun, Aufregendes erleben?

Am liebsten hätten wir alles gleichzeitig. Doch das ist selten möglich. Also müssen wir Prioritäten setzen.

Prioritäten setzen ist simpel: Überlege, was Dir am Wichtigsten ist, und setze darauf Deinen Fokus. Doch simpel bedeutet nicht einfach, denn um gute Prioritäten setzen zu können, benötigst Du vor allem eins: Selbstbewusstsein. Du musst Deine Wünsche und Bedürfnisse kennen, Deine Möglichkeiten realistisch einschätzen und an Deine Fähigkeiten glauben. Kurz: Du musst Dir Deiner selbst bewusst sein!

Kennst Du Deine Wünsche und Ziele und bist gleichzeitig in Kontakt mit Deinen Bedürfnissen, kannst Du auf dieser Basis klare Prioritäten setzen. Findest Du umsetzbare Wege, diese zu erfüllen, und setzt dafür Deine Fähigkeiten ein, wirst Du zufriedener mit Deiner Zeitnutzung sein.

Ein Beispiel: Stell Dir vor, Du bist zu Hause und musst lernen. Gleichzeitig würdest Du Dich gerne mit Freunden treffen, Musik hören, essen, schlafen und eigentlich wäre eine aufgeräumtere Wohnung auch ganz schön… Wofür entscheidest Du Dich? Und wie zufrieden bist Du im Nachhinein damit?

Je klarer Du wahrnimmst, was Dir wichtig ist, desto besser kannst Du zu Deiner Zufriedenheit entscheiden: Fühlst Du Dich enorm gestresst und spürst ein starkes Bedürfnis nach Entspannung und Ruhe, ist Ausruhen eine gute Idee. Willst Du unbedingt eine erfolgreiche Prüfung, wäre es sinnvoll, zu lernen. Möchtest Du Dich in den nächsten Stunden einfach nur wohlfühlen, wäre Aufräumen mit schöner Musik und ein Treffen mit guten Freunden sinnvoll.

Höre in Dich hinein. Vergegenwärtige Dir, was Du willst und welche Handlungen Dich dem Gewünschten näherbringen. Finde eine Balance zwischen kurzfristigen Bedürfnissen und langfristigen Wünschen und Zielen.

Dabei können sowohl Fragen helfen wie: „Was ist mir jetzt wichtig?”, „Womit würde ich am allerliebsten Zeit verbringen?”, „Was kann ich dafür tun?” als auch das Betrachten Deiner Wunschliste.

Je mehr Du übst, auf Dich zu hören, desto leichter wird es, Zeit zu Deiner Zufriedenheit einzusetzen. Entweder Du findest gute Gründe, etwas zu tun, oder Du lässt es sein. Gleichzeitig gewinnst Du Verbesserungsmöglichkeiten: Bist Du hinterher mit dem Geschafften zufrieden? Toll! Bist Du nicht zufrieden, überlege, was Du beim nächsten mal anders machen möchtest. Letztlich geht es immer nur um die Erfüllung Deiner Bedürfnisse. Je besser dies gelingt, desto glücklicher und zufriedener wirst Du sein.

Doch auch mit einem tollen Plan und klaren Kriterien für Deine Zeitnutzung wird nicht immer alles glatt laufen. Im nächsten Abschnitt biete ich Dir Ideen für den Umgang mit Schwierigkeiten und Rückschlägen an.

Umgang mit Frust & Fehlern

Auch wenn Du versuchst, Deine Zeit gut zu nutzen, wird es nicht immer gelingen. Es gibt vieles, das ablenkt, Aufmerksamkeit auf sich zieht, uns dazu einlädt, anderen Themen nachzugehen. Das Ergebnis: Wir verrennen uns in der Alltagshektik. Wir verlieren Wichtiges aus den Augen. Wir sind mehr mit unseren Befürchtungen als mit dem Erledigen von Aufgaben beschäftigt. Dadurch entstehen Unzufriedenheiten, Frust, Zweifel und Selbstvorwürfe. Kein befriedigender Weg!

Balance zwischen Erwartungen und Handlungen

Doch was ist eigentlich passiert, wenn etwas schief geht? Was bedeutet es, wenn wir unzufrieden sind? Wir haben Feedback erhalten! Feedback darüber, wie unser Erleben zu unseren Vorstellungen, Erwartungen, Wünschen und Bedürfnissen passt. Unzufriedenheit ist eine Einladung, die eigenen Bedürfnisse zu bemerken und zu erfüllen. Stress entsteht, wenn unser (Er)Leben nicht unseren Vorstellungen entspricht. Um Stress zu verringern und zufriedener zu werden, haben wir demnach zwei Möglichkeiten: Unsere Vorstellungen und Erwartungen oder aber unsere Handlungen zu verändern.

Erwarten wir Perfektion, werden wir leicht enttäuscht. Setzen wir unsere Messlatte besonders niedrig, wird es schwierig, Gewünschtes zu erreichen. Positive Erwartungen motivieren. Sie bieten Ziele, auf die wir hinarbeiten und an denen wir unser Vorankommen messen können. Negative Erwartungen bremsen uns, doch schützen gleichzeitig vor Enttäuschung.

Die Herausforderung besteht darin, einen gesunden Mittelweg zu finden, der es uns leicht macht, motiviert und zielgerichtet zu handeln. Wir brauchen sowohl erfüllbare und positive Ziele als auch konkrete Handlungen, um diese in die Tat umzusetzen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, was wir von uns selbst erwarten und gleichzeitig überprüfen, ob wir genügend Zeit und Energie investieren wollen, um unsere Erwartungen zu erfüllen.

Bist Du unzufrieden mit Deiner Zeitnutzung, dann verändere sie! Hinterfrage zuerst was Du willst: Was missfällt Dir? Was funktioniert nicht wie gewünscht? Was würde zu mehr Zufriedenheit führen? Welche konkreten Handlungen würden dabei helfen? Überprüfe dann, wieviel Zeit Du für die Umsetzung welcher Handlungen einsetzen möchtest. Sei dabei unbedingt ehrlich zu Dir! Vieles wäre schön, aber oftmals sind wir nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Und das ist okay. Aber erwarte nicht, dass Deine Wunschvorstellung dennoch real wird. Willst Du lieber Deine Freizeit genießen anstatt zu lernen, ist das Deine Entscheidung. Doch erwartest Du gleichzeitig, in der Prüfung alles zu wissen, machst Du Dich selbst unglücklich. Zufriedenheit entsteht, wenn unsere Handlungen zu unseren Vorstellungen passen – Unzufriedenheit durch das Gegenteil! Optimierst Du das Zusammenspiel von Erwartungen und zielgerichteten Handlungen, wirst Du Deine Zeit glücklicher und erfolgreicher nutzen.

Sei nett zu Dir!

Neben der Optimierung des Zusammenspieles zwischen Handlungen und Erwartungen gibt es einen weiteren wichtigen Faktor für eine gelungene Zeitnutzung: Den Umgang mit Dir selbst.

Wir sind Menschen und machen immer wieder Fehler. In meinen Beratungen stelle ich immer wieder fest, dass sobald Fehler unangenehme Auswirkungen haben, die unschönsten Dinge zu sich selbst gesagt werden. Wie sprichst Du mit Dir, wenn Du etwas falsch machst? „Du Idiot hast schon wieder Zeit verschwendet”, gehört noch zu den nettesten Äußerungen. Niemand macht uns so gut nieder wie wir selbst.

Diese Form der Selbstabwertung kann Veränderungen motivieren. Je mehr wir uns ärgern, desto stärker ist der Antrieb. Doch gleichzeitig weckt sie eine Reihe unangenehmer Emotionen: Wut, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit. Diese werden verstärkt, indem wir unsere Fehler in Gedanken wiederholen. Zusätzlich reden wir auf uns ein, visualisieren unangenehme Auswirkungen in Dauerschleife und fühlen uns mit jedem Mal schlechter. Stecken wir in diesem Kreislauf, können wir trotz Motivation kaum etwas verändern. Der durch Ärger gewonnene Antrieb wird nicht für positive Veränderungen, sondern für Vorstellungen von Fehlern und für Selbstabwertung genutzt. Wir verschwenden unsere Zeit damit, uns schlecht zu fühlen. Davon müssen wir uns befreien.

Deshalb möchte ich Dir eine andere Perspektive anbieten: Denke an den Zeitpunkt kurz vor Deinem Fehler zurück. Woran hast Du in diesem Moment gedacht? Was musstest Du alles beachten? Welche Ideen, Wünsche, Bedürfnisse, Vorstellungen, Themen und Gewohnheiten waren präsent? Werden vergangene Situationen mit solchen Fragen analysiert, ist es leicht, zu dem Schluss zu kommen, dass wir zwar nicht optimal gehandelt, aber unser Bestes gegeben haben. Wir werden ständig bombardiert mit Anforderungen, Erwartungen und Aufgaben – von anderen und von uns selbst. All dem können wir nicht vollständig gerecht werden. Daher müssen wir permanent abwägen, Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen. Dass dabei nicht alles optimal läuft, sollte uns eigentlich nicht verwundern. Dennoch erwarten wir es von uns.

Hinterher wissen wir oft, was wir hätten besser machen können. Doch berücksichtigen wir unser gesamtes Erleben, haben wir in dem Moment der Handlung unser Bestes gegeben. Und das sollten wir sowohl anerkennen als auch wertschätzen.

Diese Wertschätzung kannst Du als Grundlage nutzen, um Veränderungswünsche zu bemerken und umzusetzen. Du kannst Ungewolltes identifizieren, ohne Dich in Selbstvorwürfen zu verlieren. Du kannst Chancen erkennen, um konkrete und motivierende Ziele zu entwickeln. Du kannst Energie in positive Zukunftsvorstellungen investieren. Du kannst so denken und handeln, dass Du Dich richtig gut dabei fühlst.

Du bist nicht perfekt und wirst es nie sein. Doch arbeitest Du an Dir, an Deinen Plänen, Zielen, Vorstellungen und Handlungen, wirst Du in Zukunft mehr so nutzen, dass Du damit zufrieden bist.

Zusammenfassung

Du hast 24 Stunden Zeit, jeden Tag. Bist Du unzufrieden mit Deiner Zeitnutzung, passen Deine Handlungen nicht zu Deinen Vorstellungen und Bedürfnissen. Überlege, wie Du Deine Zeit jetzt nutzt und wie Du sie gerne nutzen würdest. Vergegenwärtige Dir, was Dir wichtig ist und wofür Du Deine Zeit einsetzen möchtest. Schaffe hilfreiche Gewohnheiten. Entwickle klare Kriterien, die Dir dabei helfen werden Prioritäten zu setzen. Finde Deine Balance zwischen Ansprüchen und Handlungen. Gehe wertschätzend mit Schwierigkeiten und Fehlern um. Lerne aus Deinen Erfahrungen und Du wirst Deine Zeit erfolgreicher, zufriedener und glücklicher verbringen!


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